AUF EINEN BLICK
StandNovember 2026
StatusKronbesitzung (Crown Dependency), nicht Teil des Vereinigten Königreichs
LageBucht von Saint-Malo, 22 km vor der französischen Küste, 137 km südlich von England
Einwohner103.650 (Ende 2023, vorläufig)
WährungPfund Sterling, dazu Jersey-Pfund im gleichen Wert
Rechtssystemeigenes Recht, eigene Gerichte, Royal Court
UK und EUVerteidigung über London; nicht in der EU, Zollunion mit UK
Anreiseüber 40 Flüge am Tag, meist aus UK; Fähren ab Saint-Malo, Poole, Portsmouth
SteuernEinkommensteuer höchstens 20 Prozent, Firmen meist 0 Prozent, keine Erbschaftsteuer
EU-Listenicht gelistet

Jersey im Überblick

Jersey ist eine Kronbesitzung: Die Insel untersteht der britischen Krone, gehört aber nicht zum Vereinigten Königreich und ist im britischen Parlament nicht vertreten. Sie hat ein eigenes Parlament, die States Assembly mit 49 gewählten Abgeordneten, eigene Gesetze, eigene Gerichte und ein eigenes Steuersystem. London ist für die Verteidigung und zum Teil für die Außenbeziehungen zuständig, der Lieutenant-Governor vertritt den König auf der Insel. Das zentrale Gericht ist der Royal Court, für Strafsachen so viel wie ein englischer Crown Court, für Zivilsachen so viel wie der High Court.

Die Insel liegt in der Bucht von Saint-Malo, 22 Kilometer vor der französischen Küste und 137 Kilometer südlich von England. Mit 120 Quadratkilometern ist sie die größte Kanalinsel, Hauptstadt ist St Helier. Ende 2023 lebten hier nach vorläufiger Schätzung 103.650 Menschen. Bezahlt wird in Pfund Sterling oder in Jersey-Pfund im gleichen Wert.

Zur EU gehört Jersey nicht. Seit dem Brexit gilt das Handels- und Kooperationsabkommen zwischen UK und EU für die Insel nur beim Warenverkehr und bei der Fischerei; mit Großbritannien bildet Jersey seit dem 1. Januar 2021 eine Zollunion. Eine Mehrwertsteuer gibt es nicht, stattdessen eine GST von 5 Prozent.

Aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommst du meist über einen britischen Flughafen: Jersey hat über 40 Flüge am Tag, die meisten aus UK, einige aus Europa. Mit dem eigenen Auto fährst du per Fähre ab Saint-Malo, Poole oder Portsmouth. Jersey gehört zur Common Travel Area mit den britischen Grenzregeln. Wer von außerhalb kommt, braucht einen Reisepass, und seit dem 23. April 2026 brauchen Deutsche, Österreicher und Schweizer für einen Besuch eine ETA für 20 Pfund, gültig zwei Jahre, je Aufenthalt bis zu sechs Monate.

Wofür Jersey bekannt ist

Jersey lebt vom Finanzplatz. Die Jersey Financial Services Commission (JFSC) beaufsichtigt Banken, Fonds, Versicherer, Wertpapierfirmen und Trust- und Firmendienstleister und führt das Register für Gesellschaften, Stiftungen und Partnerschaften.

Gesellschaften entstehen nach dem Companies (Jersey) Law 1991, eine private Gesellschaft hat weniger als 30 Gesellschafter. Wer nicht auf der Insel wohnt, gründet über einen von der JFSC zugelassenen Corporate Service Provider, und jede Gesellschaft meldet ihre wirtschaftlich Berechtigten beim Register. Verkaufst du in Wahrheit an britische Kunden, ist eine UK Limited oft der direktere und günstigere Weg.

Das Trustrecht steht im Trusts (Jersey) Law 1984, zuletzt geändert im März 2026; Stiftungen trägt die JFSC in ihr Register ein. Jersey-Trusts sind ein klassisches Werkzeug der Nachfolge und des Vermögensschutzes. Wie ein Trust ohne Umzug aufgesetzt wird, erklärt unser Schwesterprojekt beim Asset Protection Trust.

Für Fonds, Fondsdienstleister und Versicherer hat die JFSC eigene Regelwerke. Und Jersey ist der Sitz der internationalen Einheiten großer Banken: Ein Konto dort eröffnest du am einfachsten mit unserer Island Banking Introduction.

Ein Wort zur Erwartung: Eine Jersey-Struktur ist kein Versteck und kein Steuertrick. Die Insel meldet Konten nach dem CRS, und für Deutsche, die in Deutschland wohnen bleiben, greift bei einer Firma mit 0 Prozent die Hinzurechnungsbesteuerung.

Steuern auf Jersey

Jersey ist nicht steuerfrei, aber schlicht. Der Höchstsatz der Einkommensteuer liegt bei 20 Prozent, kleine Einkommen schützt ein Freibetrag mit Gleitzone. Es gibt keine Kapitalertragsteuer und keine Erbschaftsteuer. Auf Waren und Dienstleistungen fällt eine GST von 5 Prozent an. Arbeitnehmer zahlen 6 Prozent Sozialabgaben, der Arbeitgeber 6,5 Prozent, dazu kommt eine Pflegeabgabe von bis zu 1,5 Prozent des steuerpflichtigen Einkommens. Seit dem Steuerjahr 2026 werden alle Ehepaare getrennt veranlagt.

Firmen zahlen im Regelfall 0 Prozent Körperschaftsteuer. Ausnahmen sind Finanzdienstleister mit 10 Prozent, Versorger mit 20 Prozent und Einkünfte aus Jersey-Immobilien mit 20 Prozent. Dividenden versteuert der Gesellschafter.

Für Zuzügler mit großem Vermögen gibt es High Value Residency, kurz HVR: Einkünfte aus Jersey-Immobilien mit 20 Prozent, alle anderen 20 Prozent auf die ersten 1,25 Millionen Pfund und 1 Prozent darüber, mindestens aber 250.000 Pfund Steuer im Jahr für Anträge seit dem 14. Juli 2023. Altfälle, die in die Regeln von 2018 wechseln, zahlen mindestens 170.000 Pfund. Was das bei verschiedenen Einkommen bedeutet, zeigt die Tabelle weiter unten.

Dein Finanzamt zu Hause und die EU-Liste

Jersey steht weder auf Anhang I noch auf Anhang II der EU-Liste nicht kooperativer Länder und Gebiete in der Fassung vom 9. Oktober 2026. Das deutsche Steueroasen-Abwehrgesetz greift also nicht. Jersey tauscht Kontodaten nach dem CRS aus, und Deutschland hat mit der Insel ein Abkommen über den Informationsaustausch; das BMF führt Jersey außerdem in seiner Liste der Abkommen zu Steuern vom Einkommen.

Die deutschen Regeln, die dich trotzdem begleiten, kommen aus dem Außensteuergesetz. Wer in den letzten zehn Jahren mindestens fünf Jahre als Deutscher unbeschränkt steuerpflichtig war, in ein Niedrigsteuergebiet zieht und wesentliche wirtschaftliche Interessen in Deutschland behält, bleibt zehn Jahre erweitert beschränkt steuerpflichtig. Als niedrig gilt dabei ausdrücklich auch eine Vorzugsbesteuerung gegenüber der allgemeinen Besteuerung, und ein Sonderregime mit 1 Prozent über 1,25 Millionen Pfund ist genau das. Dazu kommen die Wegzugsteuer auf GmbH-Anteile und die fünf Jahre, die deutsche Staatsangehörige nach dem Wegzug erbschaftsteuerlich unbeschränkt bleiben. Diese Regeln sind deutsches Recht; für Österreicher und Schweizer gelten die Wegzugsregeln ihres eigenen Landes.

Bleibst du in Deutschland wohnen und hältst eine Jersey-Gesellschaft, greift bei einer Steuerbelastung unter 15 Prozent die Hinzurechnungsbesteuerung; bei 0 Prozent ist das der Normalfall. Mehr zur Liste selbst und zu den Abwehrmaßnahmen findest du auf unserer Seite EU-Liste und Steueroasen-Abwehrgesetz.

Banking auf Jersey

Auf Jersey führen britische und internationale Banken Konten für Kunden aus aller Welt, im Private Banking ebenso wie im Firmenkundengeschäft. Einlagen von Privatpersonen schützt der Jersey Bank Depositors Compensation Scheme bis 50.000 Pfund je Bankgruppe, Firmen und Trusts sind nicht gedeckt. Jersey hat das CRS-Abkommen 2014 als einer der ersten Unterzeichner unterschrieben und tauscht Kontodaten aus. Erträge erklärst du dort, wo du steuerlich ansässig bist.

Welche Banken dich nehmen, welche Mindestbeträge gelten und wie die Einlagensicherung funktioniert, steht ausführlich unter Banking auf Jersey.

Leben und Wohnsitz auf Jersey

Jersey regelt Wohnen und Arbeiten über Statusklassen, nicht über ein Visum allein. Deinen Status trägt jeder auf seiner Registrierungskarte, und er entscheidet, wo du wohnen und arbeiten darfst. Wer neu kommt, hat zunächst den Status „Standard“: Du mietest eine Wohnung der Kategorie „Registered“ und arbeitest in einer Standard-Stelle. Holt dich ein Arbeitgeber mit einer Lizenz für deine Stelle („Licensed“), darfst du auch eine Immobilie kaufen oder mieten, allerdings nur eine, in der du selbst wohnst. Nach fünf Jahren ununterbrochen auf der Insel bekommst du „Entitled for Work“ und darfst für jeden Arbeitgeber arbeiten, den vollen Status „Entitled“ mit dem Recht, Wohneigentum zu kaufen, in der Regel nach zehn Jahren.

Daneben brauchst du ein Aufenthaltsrecht nach dem Einwanderungsrecht, denn Jersey folgt den britischen Grenzregeln. Für Deutsche, Österreicher und Schweizer ohne britischen Status heißt das: Arbeitsvisum oder eine andere Kategorie, etwa für Investoren. Wohnstatus und Einwanderung laufen auf zwei Schienen.

Für vermögende Zuzügler gibt es High Value Residency. Jersey betreibt das Programm seit den 1970er-Jahren, nach Angaben der Regierung leben heute rund 260 Familien auf diesem Weg auf der Insel. Die Regierung prüft ein Welteinkommen deutlich über 1,25 Millionen Pfund, das für mindestens zehn Jahre gesichert ist, unternehmerische Erfahrung und den Beitrag zur Insel. Wer angenommen wird, kann sofort den Status „Entitled“ erhalten und kaufen: ein Haus über 3,5 Millionen Pfund oder eine Wohnung über 1,75 Millionen Pfund. HVR ist ausdrücklich kein Staatsbürgerschaftsprogramm, und die Einwanderungsfreigabe brauchst du zusätzlich.

Ein Wort aus zwanzig Jahren Praxis auf den Inseln: Jersey ist hervorragend organisiert, aber der lokale Beratermarkt ist teuer und kleinteilig. Für Status, Haus, Steuer, Bank und Schule sitzen schnell fünf Kanzleien am Tisch. Den Weg in der richtigen Reihenfolge planst du mit Crown Dependency Relocation.

Was dich ein HVR-Jahr kostet

Rechenbeispiele nach der Formel von Revenue Jersey, ohne Einkünfte aus Jersey-Immobilien und ohne Sozialabgaben.

WelteinkommenSteuer nach FormelTatsächlich fällig
800.000 Pfund160.000 Pfund250.000 Pfund (Mindeststeuer)
1,25 Mio. Pfund250.000 Pfund250.000 Pfund
3 Mio. Pfund250.000 + 17.500 Pfund267.500 Pfund
10 Mio. Pfund250.000 + 87.500 Pfund337.500 Pfund

gov.je, High value resident tax information

Einbürgerung und britischer Pass

Jersey gehört nicht zum Vereinigten Königreich, für das Staatsangehörigkeitsrecht aber schon: Der British Nationality Act 1981 gilt auf der Insel und zählt die Kanalinseln und die Isle of Man zum „United Kingdom“. Jahre auf Jersey zählen für die britische Einbürgerung wie Jahre in London. Zuständig für Anträge ist der Jersey Customs and Immigration Service.

Der Weg hat drei Stufen. Erst lebst du mit einem Aufenthaltsrecht auf der Insel, etwa als Arbeitnehmer. Nach fünf Jahren rechtmäßigem, ununterbrochenem Aufenthalt beantragst du Indefinite Leave to Remain: Du brauchst den Life in the UK Test mit Jersey-Zusatz, Englisch auf Niveau B1 und zahlst 3.226 Pfund. Nach mindestens zwölf weiteren Monaten mit diesem Daueraufenthalt kannst du dich einbürgern lassen. Dafür darfst du in den fünf Jahren vor dem Antrag höchstens 450 Tage abwesend gewesen sein, in den letzten zwölf Monaten höchstens 90. Der Antrag kostet auf Jersey 1.709 Pfund, die Zeremonie findet im Royal Court statt.

Realistisch heißt das: frühestens nach sechs Jahren auf der Insel stellst du den Antrag, und die Bearbeitung kann bis zu 18 Monate dauern. Bist du mit einer britischen Staatsbürgerin oder einem britischen Staatsbürger verheiratet, reichen drei Jahre, und die zwölf Monate Wartezeit entfallen. Danach hast du einen vollen britischen Pass mit dem Recht, in Großbritannien zu leben. High Value Residency verkürzt diesen Weg nicht, denn sie ist ein Wohn- und Steuerstatus, kein Einwanderungsstatus.

Deutsche verlieren ihre Staatsangehörigkeit seit dem Wegfall von § 25 StAG nicht mehr, wenn sie eine fremde annehmen. Österreicher und Schweizer klären vorher mit ihrer Behörde, ob sie ihre bisherige Staatsbürgerschaft behalten.

FAQ

Deine Fragen zu Jersey

Kann ich eine Jersey-Firma gründen, ohne dort zu wohnen?

Ja. Du gründest über einen von der JFSC zugelassenen Corporate Service Provider, die wirtschaftlich Berechtigten werden beim Register gemeldet. Wohnst du weiter in Deutschland, greift bei 0 Prozent Steuer die Hinzurechnungsbesteuerung.

Bekomme ich mit High Value Residency einen britischen Pass?

Nein. HVR ist ausdrücklich kein Staatsbürgerschaftsprogramm. Der Pass kommt über Aufenthaltsrecht, Indefinite Leave to Remain nach fünf Jahren und die Einbürgerung frühestens ein Jahr später.

Gibt es auf Jersey eine Erbschaftsteuer?

Nein, Jersey erhebt keine Erbschaftsteuer und keine Kapitalertragsteuer. Deutsche Staatsangehörige bleiben aber fünf Jahre nach dem Wegzug in Deutschland unbeschränkt erbschaftsteuerpflichtig, unter Umständen länger.

Ist mein Konto auf Jersey für das Finanzamt sichtbar?

Ja. Jersey meldet nach dem Common Reporting Standard an dein Wohnsitzland. Erträge erklärst du dort, wo du steuerlich ansässig bist.

Brauche ich für einen Besuch eine ETA?

Ja, seit dem 23. April 2026 auch für Jersey. Sie kostet 20 Pfund, gilt zwei Jahre und erlaubt Aufenthalte bis zu sechs Monaten.

Quellen