| Pflicht ab | 1. April 2029 |
| Wer | alle für die VAT registrierten Personen, auch öffentliche Stellen und Unternehmen ohne Sitz in UK |
| Was | VAT-Rechnungen ausstellen und empfangen als E-Rechnung |
| Netz | Peppol, Zugang über einen Access Point der Software |
| Rechnungen an Verbraucher | nicht betroffen |
| Genaue Anforderungen | Oktober 2027 bis April 2028 |
| Gesetzesstand | Ermächtigung im Finance Bill 2026-27, Details per Verordnung |
Was ab dem 1. April 2029 gilt
Die britische Regierung hat im Budget 2025 entschieden und im Budget vom 28. Oktober 2026 bestätigt: Ab dem 1. April 2029 müssen alle, die in Großbritannien für die VAT registriert sind, VAT-Rechnungen als E-Rechnung ausstellen und empfangen können, soweit keine besondere Ausnahme gilt. Das schließt öffentliche Stellen ein. Gemeint ist keine PDF per E-Mail, sondern ein strukturierter Datensatz, den die Software von Absender und Empfänger direkt verarbeitet.
Betroffen sind die Rechnungen, die das britische VAT-Recht schon heute verlangt: Eine VAT-Rechnung musst du ausstellen, wenn du als registriertes Unternehmen an ein anderes registriertes Unternehmen in Großbritannien steuerpflichtig lieferst oder leistest. Rechnungen an Verbraucher sind keine VAT-Rechnungen und fallen nicht unter die Pflicht, ebenso wenig Rechnungen von Unternehmen ohne Registrierung.
Rechtlich ist die Pflicht noch nicht im Detail geregelt. Das Finance Bill 2026-27 gibt HMRC die Ermächtigung, die technischen Anforderungen per Verordnung festzulegen; sie tritt mit der Royal Assent des Gesetzes in Kraft. Was genau verlangt wird, steht in den Verordnungen, die bis Frühjahr 2028 kommen sollen.
Was heute gilt: PDF erlaubt, Making Tax Digital Pflicht
Bis 2029 bleibt es bei den heutigen Regeln. Elektronische Rechnungen sind erlaubt, wenn der Empfänger zustimmt, und HMRC versteht unter einer elektronischen Rechnung sowohl strukturierte Formate wie XML als auch eine schlichte PDF. Eine bestimmte Technik schreibt niemand vor.
Digital ist die britische VAT trotzdem längst. Wer sich neu registriert, wird automatisch für Making Tax Digital angemeldet: Die VAT-Aufzeichnungen führst du mit kompatibler Software, und die Erklärung geht aus dieser Software an HMRC. Nach Einschätzung der Regierung bringt manche Buchhaltungs- oder MTD-Software die Funktion für die E-Rechnung schon mit. Wie die Registrierung als Unternehmen ohne Sitz in UK läuft, steht in VAT-Nummer im UK.
Peppol: das Netz hinter der britischen E-Rechnung
Großbritannien setzt auf Peppol als zentrales Netz für den Austausch. Peppol ist ein internationaler Rahmen, über den Unternehmen mit unterschiedlicher Software Rechnungen austauschen, ohne zu wissen, welches Programm der Kunde nutzt. Du schließt dich nicht selbst an: Den Zugang stellt ein sogenannter Access Point her, den in der Regel dein Softwareanbieter betreibt oder einkauft.
HMRC soll die Rolle der britischen Peppol-Behörde übernehmen, die bisher beim Einkauf des Gesundheitsdienstes NHS liegt. Wichtig für viele Unternehmen: Diese Behörde bekommt keine Kopien der Rechnungen zwischen Unternehmen. Ob Rechnungsdaten künftig zusätzlich an HMRC gemeldet werden, ist offen. Die Regierung hat dazu eine Konsultation gestartet und ausdrücklich noch nichts entschieden.
Dein Zeitplan bis 2029
So hat die Regierung den Weg in ihrer Roadmap vom 28. Oktober 2026 beschrieben.
- 1
Frühjahr 2027
Öffentliche technische Konsultation zu den britischen E-Rechnungs-Standards.
- 2
Oktober 2027 bis April 2028
Die Regierung legt die Anforderungen fest: Umfang, Ausnahmen, Standards, Kennungen der Beteiligten und Pflichten der Softwareanbieter. Danach sind keine Änderungen mehr geplant.
- 3
Bis April 2028
Details zur Ausnahme für Personen, die digitale Werkzeuge nicht nutzen können, und aktualisierte VAT-Leitlinien von HMRC.
- 4
April 2028 bis April 2029
Testen, Anbinden, Umstellen; die Regierung begleitet das mit einer Informationskampagne.
- 5
1. April 2029
VAT-Rechnungen zwischen registrierten Unternehmen nur noch als E-Rechnung.
Gilt das auch für dich ohne Sitz in UK?
Ja, sobald du in Großbritannien für die VAT registriert bist. Die Roadmap sagt ausdrücklich, dass Unternehmen ohne Niederlassung in UK denselben Rechnungsregeln unterliegen wie britische. Typische Fälle: Du lagerst Ware in einem britischen Fulfilment-Center, du verkaufst Pakete bis £135 an Privatkunden, oder du erbringst Leistungen an britischen Grundstücken. Welche Fälle eine Registrierung auslösen, steht in VAT beim Warenverkauf nach UK und VAT auf Dienstleistungen nach UK.
Verkaufst du nur an Verbraucher, schreibst du keine VAT-Rechnungen und bist von der E-Rechnungspflicht nicht erfasst. Empfangen musst du E-Rechnungen aber trotzdem können, wenn britische Lieferanten dir als registriertem Unternehmen VAT-Rechnungen stellen.
Deutschland ist schon weiter
Zum Vergleich die deutsche Rechtslage nach den Antworten des Bundesfinanzministeriums. Sie gilt für Umsätze zwischen inländischen Unternehmen. Österreich und die Schweiz haben eigene Regeln; für deine britischen Rechnungen zählt allein das britische Recht.
| Punkt | Deutschland | Großbritannien |
|---|---|---|
| Empfang von E-Rechnungen | Pflicht seit 1. Januar 2025 | Pflicht ab 1. April 2029 |
| Ausstellen von E-Rechnungen | Pflicht nach Übergang: sonstige Rechnungen bis Ende 2026, bei Vorjahresumsatz bis 800.000 Euro bis Ende 2027 | Pflicht ab 1. April 2029 |
| Format | Norm EN 16931, etwa XRechnung oder ZUGFeRD ab Version 2.0.1 | Standards werden 2027 konsultiert und bis April 2028 festgelegt |
| Einfache PDF | seit 2025 keine E-Rechnung mehr | bis 2029 als elektronische Rechnung zulässig |
| Übermittlung | verschiedene Wege, E-Mail-Postfach reicht für den Empfang | Peppol als zentrales Netz |
| Ausländische Unternehmen | ohne feste Niederlassung in Deutschland nicht verpflichtet | mit britischer VAT-Registrierung verpflichtet wie britische |
BMF: Fragen und Antworten zur E-Rechnung; HMRC: Roadmap for e-invoicing implementation
Häufige Fragen zur E-Rechnung in UK
Muss ich als deutsches Unternehmen ohne britische VAT-Nummer etwas tun?
Nach heutigem Stand nein. Die Pflicht trifft VAT-Rechnungen, und die stellen in UK nur registrierte Unternehmen aus. Rechnest du per Reverse Charge mit britischen Firmen ab, schreibst du keine britische VAT-Rechnung.
Reicht meine deutsche XRechnung für UK?
Das ist offen. Die britischen Standards werden 2027 konsultiert und bis April 2028 festgelegt. Peppol ist ein internationaler Rahmen; ob deine deutschen Formate unverändert passen, entscheidet sich erst mit den britischen Standards.
Wird HMRC meine Rechnungen in Echtzeit sehen?
Das ist nicht beschlossen. Die Peppol-Behörde erhält keine Rechnungskopien, und über eine mögliche digitale Meldung von Rechnungsdaten läuft eine Konsultation ohne Entscheidung.
Gibt es Ausnahmen?
Wenige und eng gefasste. Vorgesehen ist eine Ausnahme für Personen, die digitale Werkzeuge nicht nutzen können; die Einzelheiten sollen bis April 2028 veröffentlicht werden.
Quellen: GOV.UK: Roadmap for e-invoicing implementation (28 Oct 2026); GOV.UK: VAT: electronic invoicing (TIIN); GOV.UK: E-invoicing digital reporting (consultation); GOV.UK: Making Tax Digital for VAT; Bundesfinanzministerium: Fragen und Antworten zur Einführung der obligatorischen E-Rechnung