AUF EINEN BLICK · STAND NOVEMBER 2026
WasPeriodic Review 2024 des FRC, veröffentlicht März 2024
Ab wannfür Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2026 beginnen (in den meisten Fällen)
Leasing (Leasingnehmer)die meisten Verträge in die Bilanz: Nutzungsrecht und Leasingverbindlichkeit
AusnahmenLaufzeit unter 12 Monaten, geringwertige Gegenstände
Umsatzein Fünf-Schritte-Modell, Realisierung mit Übergang der Kontrolle
Nächste Änderungangepasste Gliederungsformate ab 1. Januar 2027

Ob dich das betrifft

FRS 102 ist der britische Standard für alle, die weder IFRS noch die reduzierten Standards FRS 101 oder FRS 105 anwenden. Das ist die große Mehrheit der Tochtergesellschaften im Mittelstand und viele Holdings. Kleinstgesellschaften bilanzieren meist nach FRS 105, der im selben Zug überarbeitet wurde und ebenfalls ab dem 1. Januar 2026 gilt.

Der Financial Reporting Council überprüft FRS 102 etwa alle fünf Jahre. Die zweite Überprüfung, die Periodic Review 2024, wurde im März 2024 abgeschlossen. Ihre Änderungen gelten in den meisten Fällen für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2026 beginnen. Hat deine Limited ein Kalenderjahr als Geschäftsjahr, ist 2026 das erste Jahr nach neuem Recht. Bei abweichendem Stichtag, etwa 31. März, beginnt das erste betroffene Jahr am 1. April 2026.

Neben Leasing und Umsatz bringt die Reform eine neue Section 2A zur Bewertung zum beizulegenden Zeitwert, Angaben zu Lieferantenfinanzierungen und neue Regeln zu unsicheren Steuerpositionen. Für die typische Vertriebs- oder Servicetochter sind aber die beiden großen Themen entscheidend.

Leasing: der Mietvertrag kommt in die Bilanz

Bisher unterschied FRS 102 beim Leasingnehmer zwischen Finanzierungsleasing in der Bilanz und Operating Lease außerhalb der Bilanz. Diese Unterscheidung fällt weg. Für die meisten Leasingverträge bucht deine Gesellschaft jetzt ein Nutzungsrecht als Vermögenswert und eine Leasingverbindlichkeit, so wie es Konzerne nach IFRS 16 schon kennen. Für den Leasinggeber ändert sich weitgehend nichts.

Betroffen sind typischerweise der Mietvertrag fürs Büro oder Lager, Firmenwagen und größere Geräte. Zwei Ausnahmen halten kleine Dinge draußen: Verträge mit weniger als zwölf Monaten Laufzeit und geringwertige Gegenstände. Die Ausnahme für geringwertige Gegenstände ist unter FRS 102 bewusst weiter gefasst als unter IFRS 16, solange die wirtschaftlich wichtigen Verträge in der Bilanz landen.

In der Gewinn- und Verlustrechnung verschwindet der Mietaufwand und wird durch Abschreibung und Zinsen ersetzt. Weil der Zinsanteil am Anfang höher ist, ist der Aufwand in den ersten Jahren eines Vertrags typischerweise höher als die Miete, später niedriger. Im Übergang wird der kumulierte Effekt gegen das Eigenkapital gebucht; die Vorjahreszahlen werden nicht angepasst.

BANK UND COVENANTS
Gleiche Zahlungen, andere Kennzahlen

Der FRC weist selbst darauf hin: Verschuldungsgrad, Zinsdeckung, Liquiditätsgrad und EBITDA können sich durch die neuen Leasingregeln ändern, und das kann die Prüfung von Kreditauflagen berühren. Hat deine britische Gesellschaft einen Kredit mit Covenants, sprich mit der Bank, bevor der erste Abschluss nach neuem Recht vorliegt. Manche Unternehmen verhandeln die Auflagen an die neue Bilanzierung an.

Umsatz: ein Modell für alle Verträge

Die neue Section 23 führt ein einheitliches Fünf-Schritte-Modell für alle Umsätze aus Verträgen mit Kunden ein, angelehnt an IFRS 15. Der Kern: Umsatz wird erfasst, wenn oder während die Kontrolle über die zugesagten Waren oder Leistungen auf den Kunden übergeht.

Ob sich bei dir etwas an Zeitpunkt oder Höhe der Umsätze ändert, hängt am Geschäftsmodell. Ein reiner Warenverkauf ab Lager merkt wenig. Wer dagegen Maschinen mit Installation und Wartung verkauft, Software mit Updates oder Projekte über mehrere Monate abrechnet, muss die einzelnen Leistungen trennen und kann Umsatz früher oder später zeigen als bisher. Für die Umstellung gibt es ein Wahlrecht: voll rückwirkend mit angepassten Vorjahreszahlen oder modifiziert rückwirkend.

Was das für deine Steuer und deinen Konzern heißt

Die britische Körperschaftsteuer setzt beim Gewinn nach anerkannten Rechnungslegungsgrundsätzen an, vorbehaltlich der steuerlichen Korrekturen, die das Gesetz verlangt oder erlaubt. Ändert sich der Gewinn durch FRS 102, kann sich deshalb auch der steuerpflichtige Gewinn verschieben, vor allem im Übergangsjahr. Wie HMRC einzelne Übergangseffekte behandelt, prüfen wir für deine Zahlen im Einzelfall; pauschale Aussagen dazu wären unseriös. Die Grundlagen der Steuer stehen unter Körperschaftsteuer in Großbritannien.

Für die Konzernseite ist die Reform eher eine Erleichterung: Wer zu Hause nach IFRS konsolidiert, findet in der britischen Tochter jetzt Zahlen, die näher am Konzernstandard liegen. Wer nach HGB, UGB oder Swiss GAAP FER konsolidiert, muss dagegen eine zusätzliche Überleitung für Leasing und Umsatz pflegen.

Auch die Verrechnungspreise können betroffen sein, wenn sie an EBITDA oder an eine Kostenbasis anknüpfen, in der bisher die Miete steckte. Mehr dazu unter Verrechnungspreise in UK.

Kleine Gesellschaften: was dazukommt

Kleine Gesellschaften, die nach Section 1A von FRS 102 bilanzieren, müssen für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2026 Angaben zu Geschäften mit nahestehenden Personen machen. Für eine Tochter mit Lieferungen, Umlagen und Darlehen von der Mutter ist das kein theoretischer Punkt. Eine ausdrückliche Pflicht zur Angabe der Vergütung der Directors sieht FRS 102 für kleine Gesellschaften nicht vor; Vergütungen zu nicht marktüblichen Bedingungen können aber nach Gesetz anzugeben sein.

Und es geht weiter: Für Geschäftsjahre ab dem 1. Januar 2027 gelten angepasste Gliederungsformate, eine Folge des neuen IFRS 18. Ab April 2028 nimmt Companies House Abschlüsse nur noch per Software an; was das für Fristen und Prüfung bedeutet, steht unter Jahresabschluss und Prüfungspflicht.

FAQ

Deine Fragen zum neuen FRS 102

Gilt das neue FRS 102 schon für meinen Abschluss 2025?

In den meisten Fällen nein. Die Änderungen gelten für Geschäftsjahre, die am oder nach dem 1. Januar 2026 beginnen.

Muss meine Kleinstgesellschaft nach FRS 105 Leasing bilanzieren?

FRS 105 wurde im selben Zug überarbeitet, mit Wirkung ab dem 1. Januar 2026. Welche Folgen das für deine Gesellschaft im Einzelnen hat, klärt dein britischer Buchhalter mit dir am konkreten Vertrag.

Werden die Vorjahreszahlen angepasst?

Beim Leasing nicht: Der Übergangseffekt geht ins Eigenkapital, die Vorjahreszahlen bleiben. Beim Umsatz hast du die Wahl zwischen voller und modifizierter Rückwirkung.

Ändert sich meine Steuer?

Möglich, weil die Körperschaftsteuer vom Bilanzgewinn ausgeht. Ob und in welchem Jahr ein Effekt steuerlich wirkt, prüfen wir an deinen Zahlen.

Quellen: FRC: FRS 102 The Financial Reporting Standard applicable in the UK and Republic of Ireland; FRC: FRS 105 Micro-entities Regime; FRC News, März 2024: FRC revises UK and Ireland accounting standards; FRC: FRS 102 Explainer, Periodic Review 2024 changes (Juni 2026); legislation.gov.uk: Corporation Tax Act 2009, s. 46