AUF EINEN BLICK · STAND NOVEMBER 2026
GrundsatzFremdvergleich (arm's length principle) nach TIOPA 2010 Part 4
Korrektur durch HMRCnur nach oben: mehr Gewinn oder weniger Verlust
KMU-Befreiungbis 250 Beschäftigte und Umsatz unter 50 Mio. Euro oder Bilanzsumme unter 43 Mio. Euro, gemessen an der ganzen Gruppe
Deutschland, Österreich, Schweizauf HMRC-Liste der Abkommen mit passender Diskriminierungsklausel, Befreiung möglich
Master File und Local FileGruppen mit weltweit 750 Mio. Euro Umsatz oder mehr
Neue Meldung (ICTS)erwartet für Wirtschaftsjahre ab 1. Januar 2027

Worum es geht: ein Preis, zwei Finanzverwaltungen

Deine GmbH liefert Maschinen an die britische Tochter, berechnet ihr eine Umlage für Buchhaltung und IT, überlässt ihr die Marke und finanziert den Start mit einem Darlehen. Jeder dieser Vorgänge verschiebt Gewinn: Ist der Preis hoch, bleibt mehr in Deutschland, ist er niedrig, mehr in UK. Genau deshalb wollen beide Staaten, dass der Preis so aussieht, als hätten zwei fremde Unternehmen ihn ausgehandelt.

Großbritannien regelt das im Taxation (International and Other Provisions) Act 2010, Part 4. Maßstab ist der international übliche Fremdvergleich, und ausgelegt werden die Regeln nach dem jeweils aktuellen OECD-Musterabkommen, seinem Kommentar und den OECD-Verrechnungspreisleitlinien. Wer die Leitlinien für Deutschland kennt, findet sich also auch in London zurecht.

Eine Eigenheit solltest du kennen: Die britische Korrektur wirkt nur nach oben. HMRC kann einen zu niedrigen Gewinn der britischen Gesellschaft anheben, aber das britische Recht senkt nie einen Gewinn oder erhöht einen Verlust. Hat die Tochter zu viel bezahlt, hilft dir nicht HMRC, sondern das Abkommen, dazu unten mehr.

Gilt das für dich? Die britische KMU-Befreiung

Die gute Nachricht für den Mittelstand: Section 166 TIOPA befreit die allermeisten Geschäfte kleiner und mittlerer Unternehmen von den britischen Verrechnungspreisregeln. HMRC übernimmt dafür die Definition der EU-Empfehlung von 2003. Mittelgroß ist, wer bis zu 250 Beschäftigte hat und entweder unter 50 Millionen Euro Umsatz oder unter 43 Millionen Euro Bilanzsumme bleibt; klein ist, wer bis zu 50 Beschäftigte hat und unter 10 Millionen Euro Umsatz oder Bilanzsumme bleibt.

Der Haken steckt im Kleingedruckten: Gehört die britische Gesellschaft zu einer Gruppe, gelten die Grenzen für die ganze Gruppe, nicht für die Tochter allein. Eine Limited mit drei Mitarbeitern, deren deutsche Mutter 400 Leute beschäftigt, ist für diese Regel kein KMU.

Zweite Ausnahme: Die Befreiung greift nicht für Geschäfte mit verbundenen Unternehmen in Ländern, mit denen Großbritannien kein Abkommen mit passender Gleichbehandlungsklausel hat. Deutschland, Österreich und die Schweiz stehen auf der Liste, die HMRC dafür führt. Liefert deine britische Tochter aber an eine Schwester in einem Land ohne solches Abkommen, gelten für dieses Geschäft die vollen Regeln.

Und bei mittelgroßen Gruppen kann HMRC per Bescheid verlangen, dass für ein bestimmtes Geschäft doch der Fremdvergleich angewendet wird. Umgekehrt kannst du für ein Wirtschaftsjahr unwiderruflich wählen, die Regeln freiwillig anzuwenden. Das kann sinnvoll sein, wenn dein Heimatland ohnehin einen Fremdvergleichspreis verlangt und du beide Seiten gleich behandeln willst.

ENTSCHIEDEN NACH KONSULTATION
Die KMU-Befreiung bleibt

Die britische Regierung hatte 2025 zur Diskussion gestellt, die Befreiung für kleine und mittlere Unternehmen einzuschränken. Nach der Konsultation hat sie entschieden, dass KMU die bestehende Befreiung weiter nutzen. Stand November 2026 gilt sie unverändert.

Was deine Heimatseite verlangt

Die britische Befreiung endet an der britischen Grenze. In Deutschland korrigiert § 1 Außensteuergesetz Einkünfte aus Geschäftsbeziehungen zu nahestehenden Personen im Ausland auf den Fremdvergleichspreis. Nahestehend ist unter anderem, wer zu mindestens einem Viertel beteiligt ist. Dazu kommt die Aufzeichnungspflicht nach § 90 Absatz 3 der Abgabenordnung für genau diese Geschäftsbeziehungen. Die deutsche GmbH braucht ihre Verrechnungspreise also auch dann begründet, wenn die britische Tochter selbst befreit ist.

Für Österreich und die Schweiz gilt dasselbe Prinzip nach dem jeweiligen nationalen Recht; welche Aufzeichnungen deine Gesellschaft dort führen muss, klären wir im Einzelfall. Praktisch heißt das: Ein Verrechnungspreis, den du einmal sauber begründest, dient beiden Seiten.

Dokumentation: Master File, Local File und die neue Meldung

Große Gruppen mit einem weltweiten Umsatz von 750 Millionen Euro oder mehr, also alle Gruppen im Country-by-Country-Reporting, müssen für ihre britischen Gesellschaften und Betriebsstätten ein Master File und ein Local File im OECD-Format führen und auf Anfrage vorlegen. Dazu kommt ein Summary Audit Trail, ein kurzer Fragebogen dazu, wie das Local File entstanden ist.

Neu ist das International Controlled Transactions Schedule (ICTS): eine jährliche Meldung grenzüberschreitender Geschäfte zwischen verbundenen Unternehmen in standardisierter Form, mit der HMRC Risiken automatisch auswerten will. Die gesetzliche Grundlage kam mit dem Finance Act 2026, die technische Konsultation zum Entwurf der Verordnung lief bis 31. Juli 2026. Erwartet wird der Start für Wirtschaftsjahre ab dem 1. Januar 2027, und zwar für Gruppen im Anwendungsbereich, nicht für jede kleine Limited.

Das Reformgesetz, das am 18. März 2026 verkündet wurde, hat noch mehr geändert. Geschäfte zwischen zwei britischen Gesellschaften sind unter Bedingungen von den Verrechnungspreisregeln ausgenommen, wenn dem britischen Fiskus dadurch nichts verloren geht. Für Übertragungen und Lizenzen immaterieller Wirtschaftsgüter ab dem 1. Januar 2026 gilt ein einheitlicher Bewertungsmaßstab: zwischen verbundenen Parteien über die Grenze der Fremdvergleichspreis, sonst der Marktwert. Wer die Marke oder Software aus Deutschland der britischen Tochter in Lizenz gibt oder überträgt, sollte das im Blick haben.

Wenn zwei Staaten denselben Gewinn besteuern

Erhöht HMRC den Gewinn der Tochter, ohne dass das Finanzamt zu Hause den Gewinn der Mutter senkt, ist derselbe Euro doppelt besteuert. Artikel 9 des Abkommens zwischen Deutschland und Großbritannien erlaubt beiden Staaten, Gewinne nachzuversteuern, die wegen nicht fremdüblicher Bedingungen beim verbundenen Unternehmen gelandet sind. Den Ausgleich schafft das Verständigungsverfahren.

Nach Artikel 26 des Abkommens musst du den Fall innerhalb von drei Jahren nach der ersten Mitteilung der Maßnahme vorlegen, die zur abkommenswidrigen Besteuerung führt. Einigen sich die beiden Behörden nicht innerhalb von zwei Jahren, kommen die offenen Punkte auf deinen Antrag vor ein Schiedsverfahren. Für Österreich und die Schweiz prüfen wir die Fristen im jeweiligen Abkommen.

Wenn du statt einer Tochter eine Niederlassung betreibst, gilt eine verwandte Logik: Der Betriebsstätte wird der Gewinn zugerechnet, den sie als selbständiges Unternehmen erzielt hätte. Wie das funktioniert, steht im Beitrag zu Betriebsstätte oder Tochtergesellschaft. Welche Steuer der so ermittelte Gewinn in UK auslöst, erklärt Körperschaftsteuer in Großbritannien.

So setzt du deine konzerninternen Preise auf

Für eine Mittelstandsgruppe mit einer neuen britischen Gesellschaft reicht meist eine schlanke Ordnung, wenn sie von Anfang an steht.

  1. 1

    Geschäfte auflisten

    Welche Leistungen fließen: Waren, Dienstleistungen, Personalentsendung, Lizenzen, Darlehen, Bürgschaften? Jede Art bekommt ihre eigene Preislogik.

  2. 2

    Verträge schreiben

    Ein konzerninterner Vertrag je Leistungsart, unterschrieben, bevor abgerechnet wird. Er legt Preis, Methode und Zahlungsziel fest.

  3. 3

    Methode wählen

    Für Vertriebstöchter ist oft eine Marge auf Kosten oder Umsatz üblich, für Routinedienstleistungen ein Aufschlag auf Kosten. Welche Methode passt, hängt an den Funktionen und Risiken der Tochter.

  4. 4

    Größe prüfen

    Jährlich klären, ob die Gruppe noch unter die KMU-Befreiung fällt, und ob neue Schwestergesellschaften in Ländern ohne passendes Abkommen dazukommen.

  5. 5

    Belege für beide Seiten

    Die Begründung so ablegen, dass sie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz genauso trägt wie bei einer Anfrage von HMRC.

FAQ

Deine Fragen zu Verrechnungspreisen

Meine britische Limited hat fünf Mitarbeiter. Bin ich automatisch befreit?

Nur wenn die ganze Gruppe die Grenzen einhält. Gezählt werden auch die Mutter und die verbundenen Gesellschaften. Hat die deutsche Mutter 300 Beschäftigte, ist die Gruppe kein KMU im Sinne der Regel.

Gilt die Befreiung auch für ein Darlehen der Mutter an die Tochter?

Grundsätzlich ja, die Befreiung erfasst die meisten Geschäfte eines KMU. Für mittlere Gruppen kann HMRC aber per Bescheid den Fremdvergleich verlangen, und die Zinsabzugsregeln laufen unabhängig davon.

Muss ich als Mittelständler ein Master File erstellen?

In UK nur, wenn deine Gruppe im Country-by-Country-Reporting ist, also weltweit mindestens 750 Millionen Euro Umsatz hat. Die Aufzeichnungspflichten zu Hause gelten unabhängig davon.

Was passiert, wenn HMRC die Management Fee nicht akzeptiert?

HMRC erhöht den britischen Gewinn. Um die Doppelbesteuerung zu beseitigen, beantragst du das Verständigungsverfahren nach dem Abkommen, nach dem deutschen Abkommen innerhalb von drei Jahren. Wie eine Prüfung abläuft, steht unter HMRC-Betriebsprüfung.

Quellen: HMRC INTM412070: Transfer pricing, SME exemption; HMRC INTM412080: SME definition; HMRC INTM412090: Treaties with an appropriate non-discrimination article; HMRC INTM414020: Reform of transfer pricing; GOV.UK: Transfer pricing, scope and documentation (consultation outcome); GOV.UK: International Controlled Transactions Schedule; GOV.UK: Transfer pricing documentation requirements for UK businesses; GOV.UK: Double taxation, objecting if your company is not being taxed correctly (MAP); GOV.UK: UK-Germany Double Taxation Convention (2021 protocol); gesetze-im-internet.de: § 1 AStG; gesetze-im-internet.de: § 90 AO